Tagesarchiv: 3. November 2009

Die Waffen nieder!

Mein Opa hat mich darauf aufmerksam gemacht, welch eine Ironie des Schicksals es doch ist, dass ich meine erste Schießerei auf einem Platz erleben durfte, der nach Bertha von Suttner benannt ist. Das ironische an der Sache ist nämlich nicht nur, dass die Pazifistin Bertha von Suttner 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sondern viel mehr, dass ihr bekanntestes Werk den Titel „Die Waffen nieder!“ trägt.

Verrückt, oder?



Mein Großvater ist, mit seinen 85 Jahren, natürlich schon etwas weiser und um einiges belesener, als ich es bin. Deshalb genieße ich es sehr mit ihm zu reden und erfahre dabei ständig interessante Dinge, die mir noch nicht bekannt waren… Ich bin wirklich froh, dass er sowohl geistig, als auch körperlich noch so fit ist! Das erstaunt mich immer wieder. Sein geballtes Wissen, welches er in über einem dreiviertel Jahrhundert angesammelt hat, ist für mich wirklich eine Bereicherung – da kann Wikipedia nicht mithalten! Aber wie macht er das nur? Vielleicht liegt es daran, dass er sich sowohl mental, als auch physisch in Form hält – er geht Schwimmen, fährt Fahrrad, achtet auf seine Ernährung, raucht seit fast 50 Jahren nicht mehr, gibt Englisch-Unterricht, hat vor zwei Jahren noch angefangen Italienisch zu lernen, spielt in einer Band, komponiert Stücke bzw. variiert sie, schreibt und liest viel. Ich denke das ist sein Geheimrezept. Vielleicht sind es aber auch einfach nur gute Gene, die er in sich trägt. Hoffentlich hat er mir ein paar davon vererbt… 😉

Wir testen die fließende Demokratie!

Liquid Democracy bzw. Adhocracy ist ein neuartiges Konzept, zur besseren Verwirklichung von Basisdemokratie, unter Zuhilfenahme der gegebenen technischen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter uns bietet.

Hier geht’s zur Testabstimmung…

Fließende Demokratie

Die flüssige Demokratie - Wahlverfahren

Das derzeitige Wahlsystem, welches die demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen nur auf die Wahl von variablen Themenpaketen beschränkt, wird dem eigentlichen Anspruch der Demokratie nicht gerecht.

Demokratie bedeutet, zu jeder Zeit, gezielt zu einzelnen Themen verbindlich Stellung beziehen zu können und nicht nur alle vier Jahre die Wahl zwischen Parteien mit unverbindlichen Parteiprogrammen zu haben.


Es sollte nicht nur Wahlen geben, sondern man sollte ständig die Wahl haben. Das ist ein großer Unterschied!

Im Informationszeitalter haben sich die Voraussetzungen so verändert, dass ein kontinuierlicher demokratischer Diskurs auch in großen Gesellschaften durchaus möglich ist. Zur Einführung von Liquid Democracy sind an sich keine großartigen Revolutionen nötig. Man könnte am bisherigen Parteiensystem festhalten und das Wahlsystem würde bloß um eine weitere Ebene und um die zeitlich fließende Dimension erweitert.

So könnte man Mehrheiten zu bestimmten Fragen und Themen (zum Beispiel Netzsperren) in Echtzeit dahin schmilzen sehen, während sich eine bessere Idee (z.B. „Löschen statt Sperren“) nach und nach durchsetzt.

Man könnte seine Stimme direkt zu einer bestimmten Frage oder gegen ein bestimmtes Vorhaben abgeben, sie an einen unabhängigen Experten seines Vertrauens delegieren, sie einer unparteiischen Organisation (Bsp: AK Vorrat), einer Interessenvertretung (Bsp: MOGIS) oder einer Partei (Bsp: Piratenpartei) geben.

Dabei kann man seine Entscheidung jederzeit ändern, indem man seine Stimme an eine andere Person/Organisation/Partei delegiert, sofern man der Meinung ist, dass sie in diesem Punkt kompetenter ist oder kann man seine zuvor delegierte Stimme direkt abgeben, falls man sich in der Zwischenzeit sicher geworden ist und andersherum.

Wir haben inzwischen die technischen Möglichkeiten Demokratie in ihrer Reinsten Form umzusetzen, so dass auch wirklich das Volk die Zügel in der Hand behält, wo jeder, jederzeit den Kurs mitbestimmen kann und wo Themen nicht mehr nur nach Parteizugehörigkeit angegangen werden, sondern wo man versucht für jedes Problem einfach nur die beste Lösung zu finden.

An der Verwirklichung dieses Zieles arbeitet die Piratenpartei unter dem Titel „Liquid Democracy“ (auch in einer eigenen Arbeitsgruppe).

Zur Zeit läuft eine kleine Testabstimmung zu der Frage, ob die Piraten eine Vorreiterrolle bei der praktischen Einführung von Liquid Democracy spielen sollten.
Beteiligt euch! Stimmt ab, fragt, informiert (euch & andere) und diskutiert mit…

Durch Ausprobieren lernt man doch immer noch am meisten. Nur so kann man sehen, wie das Konzept funktioniert, wie es wirkt, welche Dynamik der Prozess entwickelt, welche Probleme auftreten können und ob es eventuell Nebenwirkungen gibt. So können wir das Ganze nach und nach verbessern, bis es irgendwann nicht nur so ausgereift ist, dass es innerhalb der Piratenpartei funktioniert, sondern soweit, dass man es universal anwenden kann. Ich träume davon, dass Liquid Democracy in 10 Jahren nichts ungewöhnliches mehr ist und dass dann bei jeder Entscheidungsfindung davon Gebrauch gemacht wird.

Was haltet ihr davon?