Tagesarchiv: 2. Dezember 2010

„Bin ich schon drin?“ – Es wird Zeit sich ins Parallel-Web zu begeben!

Die Entwicklung des Internet macht mir schon seit einiger Zeit große Sorgen. Wie lange haben wir noch unzensierten Zugang zu Informationen und wie lange wird es wohl dauern, bis wir unsere Meinung nicht mehr ohne Angst vor Repression frei äußern können? Nennt mich paranoid, aber meiner Einschätzung nach, wird es das Internet, so wie wir es bisher kennen, höchstwahrscheinlich nicht mehr all zu lange geben.

Die Versuche das „böse Internet“ zu kontrollieren, haben in den letzten Jahren an Dreistigkeit und Frequenz stark zugenommen.
Von allen Seiten sucht man händeringend nach Lösungen für dieses „Problem“. Inzwischen sehe ich Grundrechte, wie die Rezipenten- & Meinungsfreiheit massiv in Gefahr.

Angesichts der Vielzahl der Bedrohungen unserer Freiheit, wie INDECT, ACTA, COICA, JMStV, ähnlicher Zensurbestrebungen, diverser Schwachsinnsurteile unserer (Land-)Gerichte, Vorratsdatenspeicherung-Light, Terrorpanikmache und der Hetzjagd auf Wikileaks und Assange, wird mir ganz anders… 😐

Mindestens genau so viel Unbehagen bereitet mir die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), welche vom US-Handelsministerium kontrolliert wird und bereits häufig negativ aufgefallen ist – auch wenn sie inzwischen angeblich in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Doch nicht nur die USA, sondern auch Deutschland und die EU treiben die Achterbahnfahrt in eine Welt der totalen Überwachung mit Hochdruck voran.

Deshalb habe ich mich inzwischen dazu entschlossen, mir einige Hintertürchen frei zu halten und finde, dass ihr das auch machen solltet:

Seit heute nutze ich OpenNIC (Open Network Information Center), was der Anlass dafür ist, dass ich mich hier mal wieder zu Wort melde.

Das OpenNIC-Projekt bietet ein unabhängiges Root-Nameserver-System und stellt eine voll kompatible Alternative zu den traditionellen, de facto von den USA kontrollierten, Top-Level-Domains dar. Im Gegensatz zur amerikanischen ICANN, ist die Organisation nicht kommerziell orientiert, demokratisch, transparent und wird nicht durch nationale Stellen kontrolliert. Dadurch ist sie um einiges Widerstandsfähiger gegen die zunehmenden Zensurbemühungen seitens vieler Staaten und der Content-Mafia.

Durch die Nutzung von OpenNIC entstehen keine Nachteile – ganz im Gegenteil – es öffnet einem die Tür in eine neue (noch sehr kleine, aber gerade in diesen Zeiten schnell wachsende) Internet-Parallelwelt:
Neben den üblichen Top-Level-Domains sind die OpenNIC-Nameserver in Lage weitere TLDs, wie .free, .glue oder .geek aufzulösen. Das ganze Einzurichten ist kinderleicht. Weitere Informationen und brauchbare Anleitungen gibt es hier (de), da (en) und dort (en).

Neben OpenNIC gibt es einige weitere alternative Domain Name-Systeme. Die aktuellste Entwicklung ist das noch im Aufbaustadium befindliche P2P-DNS, welches unter anderem von Pirate Bay-Gründer Peter Sunde vorangetrieben wird.

Doch auch mit OpenNIC und P2P-DNS kann man der US-Kontrolle leider nicht ganz entgehen, da die Vergabe von IP-Adressen nach wie vor von einer Unterabteilung der ICANN (IANA) geregelt wird.

Abschließend möchte ich auch noch auf das Freenet-Projekt hinweisen, welches, hoffentlich erst in ferner Zukunft, wichtig für die ungefilterte Kommunikation werden könnte.

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