Wieso man verdächtig schnell gestreuten Entwarnungs(falsch)meldungen nicht trauen sollte..

Kaum machte sich heute Nachmittag Angst vor einem Super-GAU in Japan breit, kam auch schon die Entwarnung. – „Puh, aufatmen“ dachten sich viele und entsprechend schnell sprach sich die vermeintlich gute Neuigkeit herum. Doch viele vergaßen das Wichtigste: Den Urheber der frohen Botschaft.

Absender der heute erschreckend schnell verbreiteten Beschwichtigungsnachricht war der internationale Atomindustrieverband in London.

Die aktuelle Lage im japanischen AKW Fukushima beweist, dass man den notorischen Wahrheitsverdrehern der Atomindustrie niemals auch nur ein Wort glauben darf!

Schon vorhin, als die Meldung rumging, konnte ich mir kaum vorstellen, dass man so schnell schon Entwarnung geben kann und es war wirklich traurig mit anzusehen, wie viele Leute diese Falschmeldung bedenkenlos weitergegeben haben.

„Keine Sorge..“

Ist doch klar, dass die Atomlobby jetzt schnell versucht eine weltweite Diskussion über die, wie man gerade sieht: realen Gefahren der Kernenergie schon im Keim zu ersticken. Es ist unglaublich, dass die Atomlobby, sogar während der GAU noch gar nicht wirklich abgewendet ist, versucht ihre Technologie als sicher zu verkaufen.

Noch während ich diese Zeilen hier schreibe, wird meine natürliche Skepsis gegenüber der Atomlobby von den neuesten Nachrichten untermeuert und es wird klar, dass man überhaupt nicht von Entwarnung reden kann, sondern – ganz im Gegenteil – von einer Zuspitzung der Situation!

Die Fakten sprechen gegen die Darstellung, dass alles unter Kontrolle sei:

Erst heißt es, es hätte zu keiner Zeit eine Gefährdung für die Bevölkerung gegeben, dann wird in einem 3km-Radius evakuiert und danach soll man im Umkreis von 10km sein Haus nicht mehr verlassen.
Auf einmal gibt der Lobbyverband der Atomindustrie Entwarnung, was jeglicher Grundlage entbehrt, da die Lage nach wie vor sehr bedrohlich ist und im SWR erfährt man unterdessen, dass die Betreiber des AKW Fukushima nicht gerade vertrauenswürdig sind. Inzwischen sieht es so aus, als würde eine Kernschmelze kurz bevor stehen.

Der Kühlwasserstand sinkt weiter und der Druck im Reaktor steigt neuerdings.
Jetzt soll radioaktiver Dampf abgelassen werden, um eine Explosion zu verhindern. Ob es helfen wird?

Nur einen kleiner Ausschnitt der heute extrem unübersichtlichen Nachrichtenlandschaft, aber bezeichnend für den Versuch uns für dumm zu verkaufen.

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4 Antworten zu “Wieso man verdächtig schnell gestreuten Entwarnungs(falsch)meldungen nicht trauen sollte..

  1. hey,
    ich frage mich seit ich die erste Meldung dazu gehört habe: Hat das AKW in Fukushima kein Reaktorgift? Normalerweise wird dieses „eingesprüht“, wenn die Kettenreaktion außer Kontrolle gerät. Und das ist ja bei einer Kernschmelze normalerweise der Fall. Ich frage mich wie ich einen geeigneten Physiker finden kann, der mir das erklären kann…

    • Hmm, ich spekuliere mal, dass das „Abschalten“ der Kettenreaktion an sich ganz gut lief. Nur leider scheint das Material immer noch verdammt heiss zu sein und das Kühlwasser geht schneller zur Neige als sie nachpumpen können. Wenn das Kühlwasser dann aufgebraucht ist, dürften sie ernste Probleme mit der immer noch extrem hohen Hitze haben… So hab ich das verstanden.

  2. @mathis: Ich bin kein Physiker, aber um’s mal meines Wissens entsprechend zu erklaeren, zusammengefasst aus Wikipedia (man berichtige mich, falls ich falsch liege. Zumindest klingts fuer mich plausibel):

    „Die Reaktorschnellabschaltung (kurz RESA oder SCRAM (oder eben auch umgangssprachlich Reaktorgift)) ist ein Vorgang in Kernkraftwerken. […] Die RESA macht den Reaktor stark unterkritisch, beendet also die Kernspaltungs-Kettenreaktion. Sie dient nicht der gewöhnlichen Reaktorregelung, da bei einer RESA der Reaktor sofort heruntergefahren wird.

    Im Allgemeinen wird ein Reaktor durch das Einfallen oder vollständige Einfahren der Steuerstäbe zwischen oder direkt in die Brennelemente (abhängig vom Reaktortyp) schnell abgeschaltet. Zusätzlich wird als zweite redundante Schnellabschaltmaßnahme Borsäure (aka Reaktorgift) über ein Hochdruckeinspritzsystem in den Reaktorkern gepumpt. Dadurch wird die nukleare Kettenreaktion unterbunden und die Leistung des Reaktors reduziert sich auf die Nachzerfallswärme.

    Mit Nachzerfallswärme bezeichnet man in der Kernreaktor-Technik die Zerfallswärmeleistung, die nach dem Beenden der Kettenreaktion noch im Reaktor entsteht. Sie kommt dadurch zustande, dass die frischen Spaltprodukte der zuletzt noch gespaltenen Atomkerne jetzt radioaktiv zerfallen (ist also quasi eine Folgereaktion der Schnellabschaltung/des Reaktorgiftes und nicht durch selbige zu stoppen). Da keine neuen Spaltungsreaktionen mehr stattfinden, kann die Nachzerfallswärme nicht durch die Steuerstäbe beeinflusst werden.

    Die Nachzerfallswärmeleistung beträgt unmittelbar nach dem Abschalten zwischen 5 % und 10 % der vorherigen thermischen Leistung des Reaktors (abhängig vom Reaktortyp, der Betriebsdauer sowie dem eingesetzten Kernbrennstoff). In einem Großreaktor von beispielsweise 1.300 Megawatt elektrischer Leistung, also rund 4.000 MW thermischer Leistung, entstehen daher im Augenblick nach dem Abbruch der Spaltungs-Kettenreaktion noch rund 200 bis 400 MW Wärmeleistung. Diese Leistung fällt danach zeitlich schnell ab.

    Trotzdem können durch die Nachzerfallswärme bei vollständigem Ausfall der Kühlung Schäden am Reaktor bis hin zur Kernschmelze eintreten. Deshalb benötigen auch normale Leichtwasserreaktoren (in denen bei einem Kühlmittelverlust automatisch auch die Kettenreaktion im betroffenen Bereich des Reaktorkerns erlischt) besondere Notkühlsysteme.“

    Das so sicher klingende „Wir haben ja ne Schnellabschaltung, wenn was passiert schalten wir den Reaktor einfach aus“ ist also in Wahrheit so nicht existent. Es gibt kein Aus im Sinne von „Aus, kann nix mehr passieren“. Nur ein Aus im Sinne von „Keine neue Reaktion mehr, aber noch stattfindende Restreaktionen und Waermeentstehung, die kontrolliert abklingen muss, weils sonst ne Katastrophe gibt“….

  3. Also, das war ja schon mal eine super Antwort! Interessant wie schnell man zum Hobby-Kernphysiker wird.
    Das mit der Restwärme hat uns übrigens bei unserem Besuch im AKW Gundremmingen natürlich keiner gesagt😉.
    Mir leuchtet auch jetzt dann der Satz von einem dieser Typen im Fernsehen gestern ein, dass wenn etwas passiert jetzt gleich ein riesen Problem passiert und wenn nichts passiert wird auch nichts passieren. Weil sich ja auch diese Restwärme recht schnell abbauen müsste. Es kommt ja keine mehr nach, oder?

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