Monatsarchiv: August 2011

„Stoppt den Pseudonymterrorismus!“ – Klarnamen machen frei..

Nun hat es auch mich erwischt. Google+ ist aufgefallen, dass mein vorher dort verwendeter Name „Edward Eddy Twitgeridoo“ nicht mit ihrer Namensrichtlinie in Einklang zu bringen ist und hat mich aufgefordert ihn diesbezüglich anzupassen, was ich (zunächst eher halbherzig zu „Eddy Twitgeridoo Edwards“) dann auch tat, woraufhin folgende Meldung erschien:

Ihr Profil wird überprüft
Vielen Dank, dass Sie Ihr Profil zur Prüfung gesendet haben. Ihr Profil wird erneut geprüft, um festzustellen, ob es unserer Namensrichtlinie entspricht. Prüfungen erfolgen in der Regel innerhalb weniger Tage. In der Zwischenzeit haben Sie vollständigen Zugriff auf Google+ und alle anderen Google-Dienste.Wenn die Prüfung erfolgreich abgeschlossen wurde, wird diese Meldung angezeigt und Sie können Google+ weiterhin nutzen. Andernfalls werden Sie informiert, dass die Prüfung nicht erfolgreich war, und Sie erhalten weitere Anweisungen.Uns ist bewusst, dass Google+ und die aktuellen Namensrichtlinie nicht von jedem befürwortet wird. Falls Sie Google+ nicht mehr nutzen möchten, kopieren Sie Ihre Google+ Daten. Klicknen Sie dann hier, um Google+ zu deaktiviren.

[Bis auf die Hervorhebungen ist das der Originaltext, inklusive Vertipper/Rechtschreibfehler]

Nach einer kurzen Phase der Resignation sah ich den Fehler jedoch ein, da ich nach mehrfacher Lektüre dieses Textes (mit Fehlern, die ich solch einem Unternehmen wirklich nicht zugetraut hätte) ein wenig Mitleid mit den Mitarbeiten bekam, dessen wertvolle Arbeitskraft mit so niederen Aufgaben wie der Pseudonymbekämpfung gebunden war. Da ich des Weiteren annehmen musste, dass „weiteren Anweisungen“ Googles Folge zu leisten ist, habe ich meinen Namen noch mal geändert und habe meinen Sinneswandel inzwischen komplett abgeschlossen. Deshalb möchte ich auch auf diesem Wege noch einmal von ganzem Herzen um Verzeihung bitten:

Hiermit entschuldige ich mich ausdrücklich dafür die Namensrichtlinie bewusst ignoriert zu haben und gebe nun feierlich meine wahre Identität preis!

Google hat mich dann doch überzeugt.

Es kann einfach nicht angehen, dass jeder Dahergesurfte im Web mit einer gefälschten Identität – womöglich gar mehreren – anonym herumkaspern darf!

Stoppt den Pseudonymterrorismus und lasst dieses wundervolle Unternehmen endlich in Ruhe arbeiten!

Liebe Grüße,
euer Bernd

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Wir wollen mehr Demokratie wagen.

„Was nur ist seit 1969 eigentlich schief gegangen?“

 

Aus der Regierungserklärung Willy Brandts vom 28.10.1969:

„Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen Bedürfnis nach Information Genüge tun. Wir werden darauf hinwirken, daß durch Anhörungen im Bundestag, durch ständige Fühlungnahme mit den repräsentativen Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung über die Regierungspolitik jeder Bürger die Möglichkeit erhält, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken. (…)

Wenn wir leisten wollen, was geleistet werden muß, brauchen wir alle aktiven Kräfte unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die allen weltanschaulichen und religiösen Überzeugungen offen sein will, ist auf ethische Impulse angewiesen, die sich im solidarischen Dienst am Nächsten beweisen. Es kann nicht darum gehen, lediglich hinzunehmen, was durch die Kirchen für die Familie, in der Jugendarbeit oder auf dem Sektor der Bildung geleistet wird. Wir sehen die gemeinsamen Aufgaben, besonders, wo Alte, Kranke, körperlich oder geistig Behinderte in ihrer Not nicht nur materielle Unterstützung, sondern auch menschliche Solidarität brauchen. (…)

Der permanente wirtschaftliche und soziale Wandel ist eine Herausforderung an uns alle. Er kann ohne die Initiative des einzelnen nicht gemeistert werden. Die Eigeninitiative braucht jedoch die Unterstützung der Politik. Wir dürfen keine Gesellschaft der verkümmerten Talente werden. Jeder muß seine Fähigkeiten entwickeln können. Die betroffenen Menschen dürfen nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden. (…)

Das Ziel ist die Erziehung eines kritischen, urteilsfähigen Bürgers, der imstande ist, durch einen permanenten Lernprozeß die Bedingungen seiner sozialen Existenz zu erkennen und sich ihnen entsprechend zu verhalten. Die Schule der Nation ist die Schule. (…)

Die finanziellen Mittel für die Bildungspolitik müssen in den nächsten Jahren entsprechend gesteigert werden. Die Bundesregierung wird sich von der Erkenntnis leiten lassen, daß der zentrale Auftrag des Grundgesetzes, allen Bürgern gleiche Chancen zu geben, noch nicht annähernd erfüllt wurde. Die Bildungsplanung muß entscheidend dazu beitragen, die soziale Demokratie zu verwirklichen. (…)

Die Regierung kann in der Demokratie nur erfolgreich wirken, wenn sie getragen wird vom demokratischen Engagement der Bürger. Wir haben so wenig Bedarf an blinder Zustimmung, wie unser Volk Bedarf hat an gespreizter Würde und hoheitsvoller Distanz. Wir suchen keine Bewunderer; wir brauchen Menschen, die kritisch mitdenken, mitentscheiden und mitverantworten.

Das Selbstbewußtsein dieser Regierung wird sich als Toleranz zu erkennen geben. Sie wird daher auch jene Solidarität zu schätzen wissen, die sich in Kritik äußert. Wir sind keine Erwählten; wir sind Gewählte. Deshalb suchen wir das Gespräch mit allen, die sich um diese Demokratie mühen.“

Imagine!

Auch wenn 42 Jahre danach noch keiner der Punkte erfüllt wurde:
Es noch nicht zu spät..

Bitte verbreitet den Text weiter, in welcher Form auch immer.